{"id":1291,"date":"2024-11-03T13:08:27","date_gmt":"2024-11-03T12:08:27","guid":{"rendered":"http:\/\/landschaftsschutz.org\/?p=1291"},"modified":"2024-11-07T20:51:43","modified_gmt":"2024-11-07T19:51:43","slug":"werbekampagne-gruener-tunnel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/landschaftsschutz.org\/?p=1291","title":{"rendered":"Kommentar zur Werbekampagne&#8220;Gr\u00fcner Tunnel&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\">Wir alle erleben gerade eine massive Werbekampagne von Teilen der regionalen Industrie und der Wirtschaft f\u00fcr die Planung und den Bau eines angeblich \"gr\u00fcnen\" Tunnels in der Trassenlage des Nordostrings. \n\n<strong>Komplexe politische Entscheidungen werden wie Waschmittel beworben  <\/strong>\n\nDie in der Werbekampagne vorgebrachten Argumente f\u00fcr diesen Tunnel sind wenige und halten einer \u00dcberpr\u00fcfung nicht stand. Um so h\u00f6her ist daf\u00fcr der Werbeetat f\u00fcr diese Kampagne. Wir sehen erstaunt, wie hier hunderttausende Euro dazu missbraucht werden, eine wichtige politische Entscheidung mit Hilfe bezahlter, fr\u00f6hlich lachender, attraktiver Menschen und furchtbar plumper Parolen (\"Gut f\u00fcr uns alle\", \"F\u00fcr weniger Stau und mehr Familie\", ...) im Interesse weniger Nutznie\u00dfer zu beeinflussen. Geworben wird \u00fcber das Internet (gruener-tunnel.de), im Radio, mit Gro\u00dfplakaten und in ganzseitigen Anzeigen (s. Anhang) in den Tageszeitungen. Es ist eine beispiellose Werbekampagne, bei der oft noch nicht einmal Ross und Reiter genannt werden.\n\n<strong>Demokratie funktioniert anders<\/strong>\n\nDemokratie ist immer auch ein Wettstreit unterschiedlicher Ideen, von denen die besten sich dann hoffentlich durchsetzen. Hierf\u00fcr bedarf es jedoch zweierlei: guter, zutreffender Argumente ebenso wie einer \"Waffengleichheit\" bei den Mitteln, mit denen f\u00fcr die jeweilige Vorstellung geworben wird. Beides ist hier nicht gegeben.\n\nHinter dieser ungew\u00f6hnlichen politischen Kampagne steht Dr. R\u00fcdiger Stihl, Gesellschafter des gleichnamigen Kettens\u00e4genherstellers. Eigentlich ein netter \u00e4lterer Herr, dessen Idee eines Nordostrings im Tunnel zur Schonung der Freifl\u00e4chen und der Landschaft auf den ersten Blick durchaus auch Charme hat. \n\n<strong>Der Schutz der Freifl\u00e4chen ist der Wirtschaft 1,3 Milliarden Euro Mehrausgaben wert<\/strong>\n\nEs ist positiv, wenn die Wirtschaft erkl\u00e4rt, dass ihr der Schutz unserer wertvollen Freifl\u00e4chen Schmidener Feld und Langes Feld eine Mehrausgabe von gut 1,3 Milliarden Euro wert ist. Um diesen Betrag w\u00e4re nach der Berechnung der Tunnelplaner der Bau eines Nordostrings im Tunnel teurer als die oberirdische Variante. Doch ist das das \u00fcberhaupt realistisch? Und was w\u00e4ren die Folgen?\n\n<strong>Schon vor vier Jahren konnte die Tunnel-Variante nicht \u00fcberzeugen<\/strong>\n\nMit seiner Tunnel-Idee ging Dr. Stihl vor vier Jahren an die \u00d6ffentlichkeit, stie\u00df damit aber, wie wir meinen aus guten Gr\u00fcnden, auf deutlich mehr Ablehnung als Zustimmung. Selbst die Ring-Bef\u00fcrworter im Verkehrsministerium in Berlin haben die Initiatoren abblitzen lassen. Nun aber, vier Jahre sp\u00e4ter und vor zwei entscheidenden Wahlen - 2025 Bundestagswahl, 2026 Landtagswahl in BW - versuchen Dr. Stihl und weitere Unternehmer mit ihrer teuren Werbekampagne Stimmung f\u00fcr den Tunnel zu machen. Und egal wie d\u00fcnn die Argumente daf\u00fcr sind, seine Werbeexperten verstehen es, das wenige in den sch\u00f6nsten Farben darzustellen. Die Tunnel-Bef\u00fcrworter sammeln mit ihrer Kampagne auch \"Ja\"-Stimmen f\u00fcr ihre Tunnel-Idee, und es wird gen\u00fcgend Uninformierte geben, die auf diese plumpe Werbung hereinfallen und zustimmen. \n\nBezeichnender Weise kann dabei auch nur mit \"Ja\" gestimmt werden, ein \"Nein\" ist nicht m\u00f6glich. Damit soll dann das Thema in den Wahlkampf eingebracht und Druck auf die Politik ausge\u00fcbt werden, den Tunnel zu unterst\u00fctzen. Das hat mit einer echten Abstimmung aber nichts zu tun, solche Scheinabstimmungen kennt man zuvorderst aus Diktaturen.\n\n<strong>Nichts Neues im Nordosten: Auch beim Tunnel \u00fcberwiegen klar die Nachteile<\/strong>\n\nGegen\u00fcber 2020 gibt es keine neuen Argumente, keine neuen Studien oder Gutachten f\u00fcr diesen Tunnel. Es gibt auch keine neuen Sachzw\u00e4nge wie etwa stark gestiegene Verkehrsmengen. Im Gegenteil: Das Verkehrsaufkommen auf der Stra\u00dfe hat das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht, und es ist unwahrscheinlich, dass es dieses wieder erreichen wird. Sofern man nicht unsinnige neue Stra\u00dfen baut. Der Nordostring - egal ob oberirdisch oder im Tunnel - w\u00e4re das Paradebeispiel f\u00fcr eine solche unsinnige Stra\u00dfe. Er h\u00e4tte eine sehr hohe verkehrserzeugende Wirkung mit allen negativen Folgen. U.a. w\u00fcrden auf der Westseite des Neckars die B10 und die B27 zus\u00e4tzlich belastet, auf der Ostseite die B14 und die B29. Das w\u00fcrde zwangsl\u00e4ufig weitere Stra\u00dfenausbau- und Neubauplanungen in unserer Region nach sich ziehen. Die Staus in unserer Region w\u00e4ren entgegen der Versprechungen nach dem Bau des Nordostrings ganz sicher nicht beseitigt, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit schlimmer als zuvor.\n\n<strong>Der Bau des Tunnels w\u00e4re mit massiven Eingriffen in beste B\u00f6den und die Natur verbunden <\/strong>\n\nNichts ge\u00e4ndert hat sich auch an den extremen Eingriffen in die guten B\u00f6den des Schmidener Feldes und des Langen Feldes durch den in weiten Abschnitten im Ausschachtverfahren erfolgenden Tunnelbau. Da kann man noch so sorgf\u00e4ltig den Boden ab- und wieder auftragen, die Spitzenqualit\u00e4t der B\u00f6den mit ihren feinen, \u00fcber Jahrtausende gewachsenen Gef\u00fcge ginge verloren. Wir brauchen diese guten B\u00f6den aber in Zukunft noch viel dringender als heute f\u00fcr die Produktion unserer Lebensmittel.\n\nW\u00e4hrend der Bauzeit w\u00fcrde auch die Natur leiden. Wo sollen beispielsweise die bedrohten Tiere hin, solange die Erde gro\u00dffl\u00e4chig von den Baggern durchw\u00fchlt wird? Die Tiere k\u00f6nnen nicht einfach ausweichen oder umziehen. Die Eingriffe w\u00fcrden vermutlich das Verschwinden seltener und streng gesch\u00fctzter Arten wie des Rebhuhns bedeuten.\n\n<strong>Tunnelbau setzt viel klimasch\u00e4dliches CO2 frei<\/strong>\n\nDurch den hohen Bedarf an Beton und die vielen Erdbewegungen wird beim Tunnelbau sehr viel CO2 freigesetzt. In Zeiten der stark voranschreitenden Erderw\u00e4rmung mit ihren katastrophalen Folgen sollten Tunnel nur noch dort gebaut werden, wo bereits bestehende Belastungen f\u00fcr die Menschen durch einen Tunnel stark vermindert werden k\u00f6nnen. Das ist hier eindeutig nicht der Fall. Im Gegenteil: Auch durch den \"Gr\u00fcnen Tunnel\" w\u00fcrden die Belastungen f\u00fcr viele tausend Einwohner unserer Region durch den dadurch verursachten Mehrverkehr sp\u00fcrbar zunehmen. \n\n<strong>Wer soll das bezahlen?<\/strong>\n\nZu den hohen Kosten, die mittlerweile selbst nach Sch\u00e4tzung der Planer bei 1,6 Mrd. Euro liegen, muss man angesichts tausender maroder Br\u00fccken, zerbr\u00f6selnder Bahninfrastruktur und dem gro\u00dfen Geldmangel, beispielsweise im Bildungs-, Pflege- und Gesundheitsbereich, nichts sagen. Und die Industrie, die nun so heftig f\u00fcr den Tunnel wirbt, wird diesen sicher nicht bezahlen. Realistisch betrachtet reicht schon alleine das Kosten-Argument, den Nordostring-Tunnel ein f\u00fcr alle Mal zu den Akten zu legen. \n\n<strong>Wir brauchen kein zweites S21<\/strong>\n\nDie ARGE Nord-Ost e.V. steht deswegen in enger Verbindung mit vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen. Diese lehnen den Nordostring im Tunnel wegen der vielf\u00e4ltigen negativen Folgen ebenso ab wie einen oberirdischen Nordostring. Wir lehnen auch die bei uns beispiellose, unseri\u00f6sen Werbekampagne f\u00fcr den angeblich \"gr\u00fcnen\" Tunnel ab, bei der in geradezu trumpscher Manier der Nordostring-Tunnel als neues Heilsversprechen f\u00fcr die Infrastruktur in der Region Stuttgart beworben wird.\n\nSie fallen sicher nicht darauf herein. Helfen Sie bitte mit, dass auch Ihre Freunde, Bekannte und Nachbarn nicht darauf hereinfallen und kein unbedachtes \"Ja\" daf\u00fcr abgeben.\n\nJoseph Michl, Vorsitzender der ARGE Nord-Ost e.V.\n<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle erleben gerade eine massive Werbekampagne von Teilen der regionalen Industrie und der Wirtschaft f\u00fcr die Planung und den Bau eines angeblich &#8222;gr\u00fcnen&#8220; Tunnels in der Trassenlage des Nordostrings. 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